Wie entsteht Bindung?

Bindung entsteht und intensiviert sich unter anderem durch die wiederkehrende prompte Reaktion auf die Bedürfnisse des Babys. Unser Baby weint, wir reagieren mit Trost auf das Weinen. Unser Baby macht die Erfahrung, dass es sich auf uns verlassen kann und hört auf zu weinen. Wir sind glücklich, dass wir unser Baby trösten konnten. Dieses Glücksgefühl sorgt dafür, dass wir beim nächsten Weinen wieder sofort reagieren, unser Baby trösten, es wieder eine positive Erfahrung macht und wir uns immer kompetenter fühlen. Gehirnscans zeigen, dass die Mama immer bessere Fähigkeiten entwickelt, ihr Baby zu verstehen, je fürsorglicher sie ist. Bei manchen Eltern geht das ganz schnell, und bei manchen dauert es möglicherweise aber auch Monate oder vielleicht ein Jahr. Aber dranbleiben, denn es lohnt sich! Es ist eine Aufwärtsspirale, bei der viel Nähe für beide Parteien unerlässlich ist. Lassen wir uns auf das Kind ein und reagieren prompt auf seine Bedürfnisse, werden sowohl wir Eltern als auch unser Baby mit einer Art Gehirnoptimierung belohnt. Unser Gehirn wird quasi von einem Kleinwagen zu einem Rennwagen aufgerüstet.

DAS VERWÖHNGESPENST »Schreien stärkt die Lungen«, »Lass es ruhig mal weinen, das meckert ja nur«, »Wenn du jetzt springst, dann merkt es sich das!«, »Der hat dich aber ganz schön im Griff«, »Neue Milch auf alte Milch macht Bauchweh«, »Der braucht aber auch mal was Richtiges zu essen«, »Trag ihn nicht so viel, da gewöhnt er sich noch dran«, »Ist ja auch kein Wunder, dass euer Kind immer noch nicht durchschläft, wenn es nachts immer noch gestillt wird«. Nicht selten hört man Sätze wie diese sogar von »Experten« wie beispielsweise Kinderärzten. Die Angst vor dem Verwöhngespenst ist groß und zieht sich durch alle Bereiche der Entwicklung. Doch diese Sorge ist ungefähr so zeitgemäß wie die Behauptung, dass die Erde eine Scheibe ist und die Sonne sich um die Erde dreht. All diese Mythen wurden längst erforscht, aufgeklärt und widerlegt. Und genau diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind leider noch nicht bei all den Schwiegermüttern und Nachbarn angekommen. Daher sind sie auch immer so verdutzt, wenn wir es so ganz anders machen als früher und unser Baby einfach auf den Arm nehmen, wenn es weint.

 

Quelle: Auszug aus dem Buch „BabyBasics“ von Frauke Ludwig & Diana Schwarz, Seite 16/24